Mobbing verbinden wir in erster Linie mit Jugendlichen und Schule. Auch Cyber-Mobbing wurde in den letzten Jahren immer mehr zum Begriff.
Doch Gehässigkeit und Schikane sind nicht nur unter Pubertierenden ein Problem, auch im Arbeitsleben wird gemobbt. Durch Kollegen – und leider auch durch Vorgesetzte.

Woran Sie dieses zum Teil subtile Mobbing erkennen und was Sie dagegen tun können, erläutern wir in diesem Artikel.

Mehr als einmal schlechte Laune auslassen

Schlechte Laune sollte man nicht an den Kollegen auslassen. Es passiert aber den meisten von uns doch mal, dass wir in Stresssituationen lauter werden oder jemanden barsch abweisen. Derjenige ist dann womöglich zu Recht gekränkt, aber noch kein Mobbing-Opfer. Passiert das allerdings täglich, grundlos und in beleidigender Weise, sieht das anders aus. Wiederholen sich Beleidigungen, ob offensichtlich oder subtil, kann durchaus Mobbing vorliegen.

Mobbing umfasst aber weit mehr. Wird jemand bewusst immer wieder von Kollegen ausgeschlossen, etwa beim Mittagessen, oder werden wichtige Informationen gezielt vorenthalten, liegt Mobbing vor. Zwar ist es durchaus subjektiv, ab wann sich jemand gemobbt fühlt. Als lustiger Spaß unter Kollegen lassen sich Mobbing-Merkmale aber nicht mehr rechtfertigen.

Wenn Sie sich schikaniert fühlen aber sich unsicher sind, ob es schon unter Mobbing fällt, führen Sie Tagebuch. Notieren Sie Situationen, Aussagen, Verhaltensweisen. Es gibt hierfür sogar Vorlagen im Internet (die außerdem zeigen, wie „normal“ dieses Problem ist).  So ein Tagebuch hilft Ihnen nicht nur dabei, Verhaltensmuster zu erkennen, sondern dient im Härtefall auch als Beweis vor dem Vorgesetzten oder Betriebsrat.

Als klassische Mobbing-Merkmale gelten unter anderem folgende Verhaltensweisen:
  • Man lässt Sie nicht ausreden
  • Vorgesetzte und Kollegen kritisieren permanent Ihre Arbeit
  • Ihr Privatleben wird ungefragt und negativ kommentiert
  • Man schreit Sie an oder beleidigt Sie
  • Man ignoriert Sie
  • Wichtige Informationen zu Projekten oder Kunden werden Ihnen vorenthalten
  • Hinter Ihrem Rücken wird gelästert
  • Es sind Lügen über Sie im Umlauf
  • Man macht Sie vor anderen lächerlich
  • Ihr Vorgesetzter nimmt Ihnen Aufgaben weg bzw. überträgt Ihnen keine
  • Man gibt Ihnen bewusst mehr Aufgaben, als Sie bewältigen können
  • Die Ihnen zugeteilten Aufgaben sind weit unter oder über Ihrem Niveau
  • Sie werden körperlich oder verbal bedroht
  • Sie werden (sexuell) belästigt
Nicht aussitzen

Mobbing muss sich niemand gefallen lassen. Fühlen Sie sich von Kollegen oder gar Vorgesetzten gegängelt, suchen Sie das Gespräch. Erläutern Sie Ihre Eindrücke und bitten um Erklärung. Stellen Sie klar, dass Sie sich so ein Verhalten nicht bieten lassen. Und holen sie jemanden Dritten an Board, dem Sie vertrauen und der die Situation unabhängig beurteilen kann. Insbesondere für sehr zurückhaltende Menschen kann das eine Stütze sein.
Wenn Sie sich von Kollegen gemobbt fühlen, holen Sie Ihren Vorgesetzten ins Boot. Sicher hat das einen Nebengeschmack von „petzen“, aber sehen Sie es so: Dem oder den Mobbern sind Ihre Gefühle offensichtlich auch egal. Warum also sollten Sie Rücksicht nehmen?
Zeigen Sie klar Ihre Grenzen auf! Jemand macht einen derben Witz auf Ihre Kosten und Sie lachen mit, weil Sie Ihre Verletzung nicht zeigen wollen? Schluss damit. Sagen Sie klar, dass Sie so ein Verhalten nicht länger hinnehmen.

Selbstbewusstsein stärken

Es ist leider wahr – Mobber suchen sich kein ebenbürtiges Opfer, sondern jemanden, der mangelndes Selbstbewusstsein ausstrahlt. Denn von so jemandem haben sie wenig bis keine Gegenwehr zu erwarten. Also stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein. Erkennen Sie Ihre Talente und Stärken und üben Sie, wenn nötig, Schlagfertigkeit in vertrautem Umfeld. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Aber verkriechen Sie sich jetzt bloß nicht und reden sich ein, dass Sie selbst Schuld an der Situation sind oder das Mobbing gar verdient haben.

Denn niemand verdient es, schlecht behandelt zu werden. Und denken Sie immer daran: Mobbing sagt wesentlich mehr über den Mobber aus, als über das Opfer. Denn wer von sich selbst überzeugt und mit sich zufrieden ist, hat es nicht nötig, auf anderen rumzuhacken. Und dieses Wissen können Opfer sich zunutze machen. Seien Sie aufmerksam und finden Sie die Schwachstelle Ihres Peinigers. Ein gezielter, vielleicht subtiler Gegenschlag kann Wunder wirken. Damit möchten wir Sie keinesfalls dazu aufrufen, vom Gemobbten zum Mobber zu werden – aber zeigen Sie, dass Sie sich zur Wehr setzen können und werden.