Nervosität im Bewerbungsprozess – normal, oder?

Niemand mag sie, jeder kennt sie: Nervosität im Bewerbungsprozess. Den einen überkommt sie bereits beim Abschicken der Bewerbungsunterlagen, den nächsten beim Gespräch und wieder andere beim Einstellungstest.

Zunächst sei also nochmal gesagt: Nervosität ist in wichtigen Situationen ganz normal und erfüllt natürlich auch einen Zweck. Unser Gehirn erkennt eine Ausnahmesituation und macht sich bereit zur Gegenwehr oder Flucht. Die ausgeschütteten Hormone sorgen für erhöhte Wachsamkeit und sind daher zunächst nichts Negatives.
In Bewerbungssituationen gilt natürlich, dem Fluchtinstinkt nicht nachzugeben 😉 Bewerber sollten sich also Taktiken zurecht legen, wie sie mit ihrer Nervosität am besten umgehen. Wir haben hierzu ein paar gute (und zum Teil selbsterprobte) Tipps:

Tief durchatmen

Ja, das ist kein Knaller-Geheimtipp, zugegeben. Viele von uns vergessen in angespannten Situationen aber gänzlich das Atmen oder atmen extrem flach. Fünfmal tief einatmen, die Luft kurz anhalten und langsam durch den Mund wieder ausatmen. Es hilft garantiert! Also atmen nicht vergessen, im schlimmsten Fall kippen Sie sonst noch vom Stuhl 🙂

Ehrlich sein

Ihre Gesprächspartner werden ohnehin merken, dass Sie nervös sind. Und sie werden es von sich selbst kennen. Daher: Schämen Sie sich nicht für Ihre Anspannung! Sie können es auch ehrlich kommunizieren. Im Normalfall werden Sie gefragt, wie es Ihnen geht. Ein offenes „danke, gut. Aber ich bin doch etwas nervös“ wird Ihnen nicht schaden. Es macht Sie menschlich und Sie beweisen Offenheit. Und das ist ein wichtiger und positiver Charakterzug. Und auch sich selbst gegenüber dürfen und sollten Sie sich Ihre Nervosität eingestehen. Es geht hier schließlich um was und Sie sind kein emotionsloser Roboter sondern ein Mensch mit Stärken und Schwächen. Wie alle anderen auch!

Ursache erkennen

Okay, no-brainer. Sie haben ein Bewerbungsgespräch und sind deshalb nervös. Aber fragen Sie sich, warum. Ist das Gespräch für einen Job, den Sie unbedingt wollen und Sie möchten deshalb keinen Fehler machen? Oder sind Sie schlecht vorbereitet und fürchten Fragen, die das auffliegen lassen? Im zweiten Fall liegt die Lösung auf der Hand: Bereiten Sie sich auf Ihre Gespräche gründlich vor, dann sinkt auch das Level Ihrer Nervosität.
Haben Sie in früheren Vorstellungsgesprächen schlechte Erfahrungen gemacht und fürchten eine Wiederholung? Sagen Sie sich, dass jeder mal ein mieses Gespräch hatte. Das bedeutet nicht automatisch, dass es an Ihnen gelegen hat. Neues Gespräch, neue Chance!

Den eigenen Wert kennen

Sie wurden eingeladen! Ihre Unterlagen haben das Unternehmen also soweit überzeugt, dass man Sie für fachlich qualifiziert hält und Sie kennenlernen möchte. Damit sind Sie schon einen gewaltigen Schritt weiter, als viele andere. Und vergessen Sie nicht, dass auch das Unternehmen sich bei Ihnen bewirbt. Sie sind kein Bittsteller, sondern eine Fachkraft auf Augenhöhe. Sie haben Fähigkeiten und Wissen, welche das Unternehmen braucht. Das hilft enorm dabei, Nervosität in den Griff zu bekommen. Seien Sie selbstbewusst!

Hilfe von außen suchen

Bewerbungsgespräche können Sie üben. Bitten Sie einen guten Freund oder ein Familienmitglied, bestimmte Situationen mit Ihnen durchzugehen. Dadurch haben Sie Zeit, auf eventuelle Fragen und Aussagen in Ruhe zu reagieren und sind in der tatsächlichen Situation dann souveräner.
Wenn aber alles nichts bringt, Ihr Umfeld ebenfalls nicht zur Stärkung Ihres Selbstbewusstseins beitragen kann, lassen Sie sich von einem Fachmann helfen. Dafür müssen Sie nicht gleich zum Psychologen gehen. Es gibt Karrierecoaches, die sich auf das Coaching nervöser Kandidaten spezialisiert haben und die gezielt mit Ihnen die vermeintlichen Schreckensszenarien durchgehen und üben können.

Sollte die Nervosität Sie jedoch wieder und wieder so übermannen, dass Sie sich alltäglichen Herausforderungen nicht stellen können oder Sie in Arbeit und Freizeit extrem einschränkt, dann ist auch der Gang zum Therapeuten mehr als eine Überlegung wert. Denn die in angespannten Situationen normale Nervosität kann auch chronisch werden und auf eine Krankheit hindeuten. Zögern Sie in so einem Fall nicht, sich Hilfe zu suchen.