Was Recruiter auf die Palme bringt

Der Bewerbungsprozess ist für Menschen auf Jobsuche anstrengend und nervenaufreibend. Vom Moment der Bewerbung bis zur Zu- oder Absage sind sie angespannt und in einem Dauerzustand zwischen Hoffen und Bangen. Sie aktualisieren oft ihre Mails oder starren aufs Telefon, immer wartend auf Nachricht vom potentiellen neuen Arbeitgeber.

Was sie allerdings dabei oft vergessen: Auch für Recruiter und HR-Manager ist die Suche nach dem passenden Kandidaten kein Zuckerschlecken. Auch für sie ist es anstrengend und kann Nerven kosten. Denn nicht alle potentiellen Talente zeigen sich vollends kooperativ. Was Recruiter auf die Palme bringt, lesen Sie hier.

Hinterherlaufen

Ein Recruiter hat Sie angeschrieben oder angerufen. Sie finden die Stelle interessant und möchten als Bewerber vorgeschlagen werden. Dazu braucht der Recruiter Ihren Lebenslauf und die üblichen Zeugnisdokumente. Lassen Sie ihn nicht wochenlang darauf warten und ihn immer wieder nachhaken. Zwar herrscht in vielen Branchen Fachkräftemangel und Experten werden händeringend gesucht. Das heißt aber nicht, dass jedes Unternehmen gerade auf Sie gewartet hat. Wenn Sie zu lange warten, schürt das zum einen Misstrauen („hat er das Studium gar nicht abgeschlossen?“) und zum anderen wird die Stelle dann vielleicht schon besetzt, bis Sie alle Unterlagen beisammen haben. Sind Sie also ernsthaft interessiert, machen Sie dem Recruiter Ihre Dokumente schnellst möglich zugänglich. Oder sagen Sie ehrlich, wenn der Job doch nichts für Sie ist.

Unehrlichkeit

Es kommt schon mal vor, dass ein Recruiter Sie wegen einer Stelle kontaktiert, die Sie selbst schon entdeckt haben und auf die Sie sich bereits beworben haben. Verschweigen Sie das nicht! Wenn der Recruiter weiß, dass Sie in genau diesem Bereich auf der Suche sind, kann er sich das denken und wird deshalb nachfragen. Wenn Sie jetzt „nein“ sagen, kommt das mit Sicherheit heraus und rückt sowohl den Recruiter als auch Sie in ein schlechtes Licht. Ihre Chancen beim Unternehmen steigen dadurch auch nicht – ganz im Gegenteil. Sie werden in negativer Erinnerung bleiben und auch für keine anderen Stellen mehr in Frage kommen. Also sprechen Sie Klartext. Sind Sie abgelehnt worden, kann der Recruiter im Unternehmen nach dem Grund fragen und Sie eventuell nochmal ins Spiel bringen. Wenn Sie aber lügen, war’s das.

Beschönigungen

Sie hatten in der Schule Spanisch? Wunderbar! Sofern Sie aber inzwischen nicht mehr über das Bestellen einer Paella hinauskommen, hat das im Lebenslauf nichts verloren. Denn das entspricht noch nicht mal mehr Grundlagen. Und nur, weil Sie den HTML-Code für „fetten“ kennen, sind Sie noch kein Programmierer auf Anfänger-Niveau. Es ist verständlich, dass Sie sich so versiert und gebildet wie möglich präsentieren möchten. Wenn Sie angegebene Fähigkeiten dann aber nicht praktisch umsetzen können, wird es für alle Beteiligten sehr unangenehm. Denken Sie daran: Niemand kann alles, das ist auch keine Schande. Zeigen Sie sich lernbereit und offen – damit ist weit mehr gewonnen als mit einem beschönigten CV!

Ich bin flexibel. Nein, doch nicht.

In Ihrem Profil steht, Sie seien örtlich und zeitlich flexibel. Auch die Qualifikationen passen. Ein Volltreffer für den Recruiter! Er tritt mit Ihnen in Kontakt und schlägt Ihnen eine Stelle vor, die sehr gut passen würde. 200km von Ihrem aktuellen Standort entfernt. Eigentlich gefällt Ihnen die Stelle auch und so nehmen Sie am Bewerbungsprozess teil. Dann merken Sie aber, dass Sie doch nicht umziehen möchten oder frühestens in drei Monaten verfügbar sind. Sie ziehen Ihre Bewerbung zurück. Und der Recruiter muss von vorn anfangen. Deshalb: Seien Sie ehrlich, auch zu sich selbst! Sind Sie wirklich bereit, innerhalb kürzester Zeit oder grundsätzlich Ihren Wohnort zu wechseln? Wenn dem nicht so ist – lassen Sie Recruiter und Unternehmen nicht in dem Glauben. Am Ende hat niemand etwas davon.

Sich tot stellen

Der Bewerbungsprozess läuft gut, Sie haben starkes Interesse an einer Stelle vermittelt und auch das Unternehmen möchte Sie kennenlernen. Es schlägt dem Recruiter einen oder mehrere Termine für ein Bewerbungsgespräch vor, was er Ihnen gleich weitergibt. Und dann? Hört er nichts mehr von Ihnen. Sie antworten nicht auf Mails und sind auch telefonisch nicht zu erreichen. Das bringt den Recruiter in Erklärungsnot und in eine äußerst unangenehme Situation. Deshalb: Geben Sie Bescheid, wenn Sie doch nicht mehr an einer Stelle interessiert sind. Niemand reißt Ihnen deswegen den Kopf ab. Ja, der Recruiter wird nach dem Grund fragen. Er wird Sie aber nicht mit vorgehaltener Pistole zum Bewerbungsgespräch zwingen.

 

Denken Sie einfach daran: Auch der Recruiter macht nur seinen Job. Und ein guter Recruiter möchte Sie gern in eine für Sie passende Position bringen. Machen Sie es ihm also nicht unnötig schwer. Dann kann am Ende etwas herauskommen, womit alle Parteien zufrieden sind!