Dass eine Home Office Regelung durchaus für Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine gute Lösung sein kann, haben wir hier schon einmal erörtert. Trotzdem stehen viele dem Modell immer noch skeptisch gegenüber. Zu viele (negative) Mythen haben sie darüber gehört. Wir schauen uns heute einige davon an.

Im Home Office ist man weniger produktiv

Dieser Mythos ist eigentlich schon längst widerlegt. Ganz im Gegenteil. Im Home Office sind viele Arbeitnehmer produktiver, weil sie weniger Ablenkungen ausgesetzt sind. Entsprechend können sie sich besser konzentrieren, ihre Zeit für sich passend einteilen und erledigen somit oft mehr Arbeit in acht Stunden, als im Büro.

Wer im Home Office arbeitet, arbeitet insgesamt weniger

Die Angst vieler Chefs – arbeitet mein Mitarbeiter im Home Office tatsächlich alles ab, was ansteht? Oder backt er oder sie nebenbei Brot für die gesamte Nachbarschaft, wäscht Wäsche, schaut Fernsehen oder lässt sich sonst irgendwie die Freizeit bezahlen? Wir möchten gar nicht abstreiten, dass es solche Spetzl gibt. Das fliegt jedoch relativ schnell auf, denn die Arbeit macht sich ja nicht von selbst. Sie als Chef werden also zeitnah merken, wenn Aufgaben unerledigt bleiben. Und das wissen auch Mitarbeiter!

Wer im Home Office arbeitet, arbeitet viel mehr

Das exakte Gegenteil also vom vorigen Punkt. Und auf viele trifft das auch zu, denn oft werden im Home Office zum Beispiel weniger Pausen gemacht oder zumindest kürzere. Tatsächlich braucht es eine gewisse Disziplin, um im Home Office arbeiten zu können. Nicht nur im Sinne von sich nicht ablenken lassen. Auch vom heimischen Schreibtisch aus werden 60 statt 40 Arbeitsstunden früher oder später an die Belastungsgrenze führen. Für Workaholics, die keine Grenze zwischen Arbeit und Privatleben ziehen können, ist das Home Office also möglicherweise ungeeignet.

Wer im Home Office arbeitet, schaut den ganzen Tag Netflix

Ähnlich Punkt 2 – Chefs und Kollegen glauben oft, dass man im heimischen Büro mehr auf den TV-Bildschirm schaut denn auf den des PCs. Und natürlich gibt es im Home Office unproduktive Tage, genau wie es die im Büro auch gibt. Wir sind eben nur Menschen und keine Maschinen, die rund um die Uhr perfekt funktionieren. Ob jemand den ganzen Tag seiner Serienleidenschaft frönt anstatt zu arbeiten, wird sich aber recht schnell bemerkbar machen. Denn wie bereits angemerkt, die Arbeit macht sich nicht von selbst. Sollten Sie als Chef also merken, dass an Home Office Tagen grundsätzlich die Leistung nicht stimmt, suchen Sie das Gespräch und fragen Sie nach den Gründen.

Home Office bedeutet Einsamkeit

Kann sein, ja. Muss aber nicht. Denn zuhause zu arbeiten bedeutet ja nicht, dass man plötzlich keine sozialen Kontakte mehr hat. Man kann immer noch nach Feierabend Freunde treffen und Zeit mit der Familie verbringen. Wie vieles ist das aber vor allem Typsache. Wer dauernd Menschen um sich braucht und viel Input von außen benötigt, für den ist das Home Office ohnehin nicht geeignet. Und nicht jeder arbeitet fünf Tage die Woche von zuhause, viele sogar nur einen oder zwei Tage. In dieser Zeit lassen sich Aufgaben erledigen, für die es absolute Ruhe und Konzentration braucht – und dann ist man wieder ganz froh, eben keine Kollegen um sich zu haben.

Home Office ist ein Karrierekiller

Aus den Augen, aus dem Sinn? Kann passieren, wenn jemand grundsätzlich eher ruhig und unauffällig ist. Wer aber Leistung bringen und seine Stärken zeigen möchte, wird das auch aus dem Home Office tun. Schließlich müssen Sie heutzutage keine Briefe mehr an Ihren Chef schicken oder ihm per Rauchzeichen Ihre Fortschritte mitteilen – ein Anruf, eine kurze E-Mail genügen. Dasselbe gilt für Teams, die eng zusammen arbeiten. Sofern alle oder ein großer Teil im Home Office arbeiten, wird es wahrscheinlich keine Probleme geben. Aufpassen sollten Sie aber, wenn Sie der/die Einzige aus dem Team sind – denn dann können Sie nicht beeinflussen, was hinter Ihrem Rücken im Büro passiert. Denken Sie also gut über Ihre Motivation und Ambitionen nach, wenn Sie von zuhause aus arbeiten möchten.

 

Man sieht also – zwar sind viele Home Office Mythen nicht umsonst entstanden und auch nicht jeder lässt sich ohne weiteres widerlegen. Es ist vor allem abhängig vom Individuum, ob das Arbeiten von zuhause funktionieren kann oder nicht. Sollten Sie also mit dem Gedanken spielen, öfter mal nicht ins Büro zu fahren, seien Sie zunächst ehrlich  mit sich selbst: Sind Sie wirklich der Typ dafür? Wenn Sie alle sechs Mythen für sich persönlich verneinen können – wagen Sie es. Spätestens im Praxistest merken Sie ohnehin, ob Sie mit Ihrer Annahme Recht hatten.

Denken Sie außerdem bitte an folgendes: Home Office ist keine Alternative, wenn Sie krank sind. In diesem Fall gehen Sie bitte zum Arzt und lassen sich krankschreiben!