Hilfe, mein neuer Mitarbeiter ist tätowiert!

Die ältesten bislang bekannten Tätowierungen sind über 5300 Jahre alt. Nicht nur Gletschermann Ötzi war mit diversen Zeichen verziert. Auch an ägyptischen Mumien hat man Tätowierungen gefunden. In vielen Naturvölkern sind sie ebenfalls seit Jahrhunderten Gang und Gäbe und tragen auch zur Identität bei. Von einer Modeerscheinung zu sprechen, trifft also nur bedingt auf Tattoos zu.

Dennoch sind die Körperbilder erst seit einigen Jahren in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Vorbei die Zeiten, in denen Tattoos mit Knast oder Seefahrerei gleichgesetzt wurden und in denen Frauen bitte auf gar keinen Fall tätowiert sein durften. Vorbei auch die Zeiten, in denen man Tätowierte automatisch einer niedrigen Schicht zuordnete. Inzwischen sind etwa 20 Prozent der deutschen Erwachsenen tätowiert – und das durch alle Berufs- und Gesellschaftsschichten hindurch. Egal ob Fließbandarbeiter oder Universitätsprofessor – der permanente Körperschmuck hat sich etabliert.

Angst vor Vorurteilen

Und trotzdem stehen Arbeitnehmer etwa vor Bewerbungsgesprächen immer wieder vor der Frage: „Soll ich meine Tätowierungen zunächst verstecken, weil ich sonst eventuell den Job nicht bekomme?“ Viele Bewerbungsratgeber raten auch nach wie vor dazu. Zu groß sind in vielen Chefetagen immer noch die Vorurteile. Aber warum eigentlich?

Natürlich schreckt man zurück, wenn jemand eine blaue Träne unter dem Auge hat. Denn das gilt nach wie vor als typisches Gefängnis-Tattoo. Ebenfalls ist verständlich, dass der Bankdirektor eher davon absieht, jemanden mit HATE-Schriftzeichen auf den Fingern einzustellen.

Nicht jeder Tätowierte ist Gangmitglied

Aber was spricht gegen einen Schriftzug auf dem Schulterblatt oder ein neutrales Motiv auf dem Arm? Setzen Sie sich mit Ihren Vorurteilen auseinander und überlegen Sie, woher diese kommen. Glauben Sie, jemand mit Tätowierungen ist weniger kompetent als jemand ohne? Wenn das so ist, warum glauben Sie das? Oder haben Sie Angst, dass Ihnen bei einem Problem mit dem tätowierten Angestellten bei nächster Gelegenheit die Hell’s Angels die Tür eintreten, weil Sie Tattoos mit Gangs in Verbindung bringen?

Wir möchten nicht abstreiten, dass es Tätowierungen gibt, die für die Zugehörigkeit einer bestimmten Gruppe stehen und das einige davon negativ konnotiert sind. Dennoch stehen die meisten Tattoos im Jahr 2018 für eine individuelle Persönlichkeit, sind Ausdruck einer tiefen Liebe zu einem Menschen oder einem Hobby oder gehören einfach nur zu einem Menschen, der Körperkunst an sich mag. Der Großteil der Tattoos sagt nichts über die soziale Zugehörigkeit, den Bildungsgrad oder die politische Einstellung aus (wussten Sie zum Beispiel, dass sogar die britische Königin Victoria tätowiert gewesen sein soll?).

Lehnen Sie also nicht kategorisch jeden tätowierten Bewerber ab. Wenn Sie es genau wissen wollen, fragen Sie nach der Bedeutung – die meisten Tätowierten gehen sehr offen mit dem Thema um und werden Ihnen gern Auskunft geben. Ansonsten könnte Ihnen vielleicht ein talentierter und wertvoller neuer Mitarbeiter entgehen und am Ende freut sich ein anderes Unternehmen – ohne Vorurteile.