Kollegen verbringen viel Zeit miteinander – gefühlt mehr als mit Familie, Partner und Freunden. Acht Stunden täglich, fünf Tage die Woche mindestens. Es ist also wichtig, dass es im Team stimmt. Ein gutes kollegiales Verhältnis macht den Alltag angenehmer und sorgt dafür, dass sich alle wohlfühlen.

Manchmal wird aus einem guten kollegialen Verhältnis auch mehr. Wenn man spürt, dass man mit dem Kollegen oder der Kollegin auf einer Welle schwimmt, ähnliche Interessen hat und viel zusammen lachen kann, entwickeln Freundschaften sich ganz automatisch. Und oftmals ist der Arbeitsplatz auch die einzige Möglichkeit, noch neue Freundschaften zu schließen, vor allem wenn man neu in der Stadt ist. Aber ist das immer so gut?

Vom Kollegen zum Freund

Freundschaften am Arbeitsplatz geben den meisten Menschen das gute Gefühl, dass die Arbeit nicht nur reine Geldbeschaffung ist. Wer sich mit Kollegen gut versteht, muss nicht den ganzen Tag darauf warten, dass der Arbeitstag zu Ende ist. Selbst wenn man mit dem Job an sich nicht ganz zufrieden ist – den Freund oder die Freundin am Schreibtisch gegenüber oder im Büro nebenan zu wissen, kann einen Mitarbeiter lang im Unternehmen halten. Und wer sich bei der Arbeit wohlfühlt, ist auch produktiver und kreativer.

Irgendwann unternimmt man vielleicht auch nach der Arbeit etwas gemeinsam, lernt die Familie oder die Freunde des Kollegen kennen und hält auch dann noch Kontakt, wenn man nicht mehr zusammenarbeitet. Aus dem Kollegen ist ein Freund geworden – vielleicht sogar einer fürs Leben. Glückwunsch!

Gemeinsamkeiten verbinden

Egal ob Sport, Musik, Reisen oder sonstige Hobbies – gemeinsame Interessen wirken auf Menschen wie Magnete. Warum das so ist? Weil wir unbewusst das mögen, was uns an uns selbst erinnert. Nicht etwa, weil wir alle eigentlich Narzissten und Egoisten sind, sondern weil wir uns mit bekanntem einfach wohler fühlen, als mit unbekanntem. Und weil wir dazu neigen, durch Interessen auf Charaktereigenschaften zu schließen. Jemand, der in der Freizeit klettern oder Fallschirmspringen geht, ist bestimmt viel cooler und lockerer als das Mitglied im Schützenverein. Zumindest denken wir das. Vor allem dann, wenn wir selbst waghalsige Hobbies toll finden. Über Gemeinsamkeiten entwickeln sich Freundschaften automatisch. Die Arbeit ist ohnehin eine Gemeinsamkeit. Aber Vorsicht: Sollte sie die einzige sein, wird diese Freundschaft nicht lange halten und womöglich kommt es früher oder später zu Problemen – wenn der Freund plötzlich zum Vorgesetzten wird etwa oder man sich von der Freundin permanent Lästereien über andere Kollegen anhören muss.

So macht die Arbeit viel mehr Spaß – oder?

Wir freuen uns morgens auf die Arbeit, auf die Bürofreunde und das gemeinsame Projekt, das reibungslos läuft, weil wir uns so gut verstehen. So der Idealfall. Das kann allerdings auch ganz anders aussehen und dann wird es problematisch. Denn vieles, was wir einem Kollegen sachlich und emotionslos sagen können, wird in Freundschaften schnell persönlich. Wir möchten unsere Bürofreunde nicht verletzen, ihnen aber dennoch ehrliches Feedback geben, wenn etwas nicht gut läuft. Das ist eine Gratwanderung, schließlich möchten wir die Freundschaft nicht gefährden. Sollte unser Gegenüber dann auch noch eine höhere oder niedrigere Position einnehmen, wird es noch komplizierter. Erzählt er womöglich dem Chef von meinem Patzer? Sieht sie mich als unfair an, wenn ich sie auf einen Fehler anspreche?

Und wenn wir feststellen, dass der Job die (einzige) Basis dieser Arbeitsfreundschaft ist, hat es sich eigentlich auch schon wieder erledigt – schließlich gibt es auch noch andere Themen im Leben.

Freunden gegenüber zeigen wir mehr von uns selbst als Kollegen. Es ist ratsam, private Probleme nicht zur Arbeit mitzubringen (andersrum gilt das übrigens auch!). Wenn die Freundin aber nachfragt, warum man heute nicht zu Witzen aufgelegt ist oder generell nicht viel reden möchte, antworten wir in den meisten Fällen ehrlich. Denn dazu sind Freunde schließlich da. Es kommt in so einem Fall aber schnell zum Verschwimmen von Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben, die wir vielleicht gar nicht so möchten. Es ist also empfehlenswert, sich die eigenen Grenzen bewusst zu machen.

Nichts erzwingen

Sie möchten gern mit Ihren Kollegen auf Du und Du sein und auch Freundschaften schließen? Das ist zunächst mal sehr nett von Ihnen. Aber denken Sie daran, dass sich das nicht erzwingen lässt. Ein Du ist heutzutage in vielen Unternehmen ganz selbstverständlich und deutet nicht auf ein vertrautes Verhältnis hin.
Freundschaften entwickeln sich ganz von selbst. Und nicht jeder möchte das. Das müssen Sie respektieren. Wenn Sie merken, dass der Kollege nicht von seinem Wochenende erzählen und die Kollegin mit Ihnen nicht ihre Beziehung besprechen möchte, dann lassen Sie gut sein. Versuchen Sie nicht, Gemeinsamkeiten zu suchen, wo es keine gibt. Alter, Lebensumstände, Interessen – das alles können Faktoren sein, die das Entstehen von Freundschaften verhindern.
Aber: Nehmen Sie es nicht persönlich. In den wenigsten Fällen hat es etwas mit Ihrer Person zu tun, wenn sich keine Freundschaft entwickelt. Der Kollege oder die Kollegin kann Sie trotzdem in genau dieser Funktion schätzen und mögen. Dass jemand nicht über Privates mit Ihnen sprechen möchte, bedeutet nicht, dass die Person etwas gegen Sie hat. Unterscheiden Sie das klar!

Fazit: Wenn aus Kollegen Freunde werden, hat das viele Vorteile. Jedoch ist es wichtig, zwischen Beruf und Privatleben zu trennen. Und vor allem können solche Freundschaften nicht erzwungen werden.