Diese Nachricht dürfte die wenigsten von Ihnen überraschen– immerhin wird schon seit Jahren propagiert, dass Angestellte flache Hierarchien bevorzugen.

Warum wir diese Sau dann trotzdem nochmal durchs Dorf treiben? Weil es in vielen mittleren und höheren Management-Ebenen immer noch nicht angekommen ist. Weil viele Teamleiter, Manager und Chefs immer noch glauben, ihre Angestellten seien auf sie angewiesen und können daher nach Lust und Laune behandelt werden.

Das mag noch funktioniert haben zu Zeiten, als Mitarbeiter berechtigte Angst vor einem Jobverlust hatten, weil der Stellenmarkt leer gefegt war. Die Lage hat sich aber längst gedreht und in Zeiten des Fachkräftemangels können Experten sich ihren Arbeitsplatz aussuchen. Niemand betrachtet es heute mehr als Privileg, einfach nur einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. Schlechte Karten für Chefs und Manager, die auf Hierarchien Wert legen.
Was aber macht einen schlechten Chef aus? Wir haben einige Punkte näher beleuchtet und gehen darauf ein, was gute Vorgesetzte besser machen.

Höflichkeit und Respekt – für oben

Ja, leider gibt es sie wirklich noch, die Nach-oben-Kriecher-und-nach-unten-Treter. Die, denen dem Team gegenüber kaum ein „guten Morgen“ über die Lippen kommt, die aber sofort Körperhaltung und Gesichtsausdruck ändern, sobald der Chef den Raum betritt. Die zum Papagei werden und alles ungefragt nachplappern, was der Chef so sagt.
Solche Vorgesetzten (zumeist aus dem mittleren Management) kommen logischerweise nicht gut an, vor allem nicht bei den viel-beschriebenen Millennials, die um ihren Wert durchaus wissen.
Gute Teamleiter und Chefs betrachten ihr Team nicht als Untergebene, sondern als Kollegen. Ihnen ist klar, dass Respekt nichts ist, was es nur von unten nach oben gibt. Im Idealfall sehen sie kein „unten“ und „oben“ sondern höchstens weniger und mehr Erfahrung. Denn viel mehr ist es meistens auch nicht (mehr dazu in Punkt 4).

Das Individuum (an)erkennen? Welches Individuum?

Ein schlechter Vorgesetzter betrachtet sein Team als eine Art Maschinerie, in der jedes Schräubchen und Rädchen reibungslos arbeiten muss. Und zwar unabhängig davon, ob sie denn auch am richtigen Platz eingesetzt wurden. Darüber, dass Menschen Stärken und Schwächen haben, denken sie nicht nach – jeder hat „zu funktionieren“.
Was insbesondere junge Angestellte sich wünschen, ist genau das Gegenteil: Sie möchten als Mensch betrachtet werden, der mehr ist als eine Ansammlung an umsetzbarer Energie. Gute Chefs wissen, dass nicht jeder alles können muss und setzen ihre Teammitglieder entsprechend ein. Eigentlich logisch, oder? Um beim Bild der Maschinerie zu bleiben: Eine Schraube kann noch so hochwertig und gut sein, am falschen Platz eingesetzt kann sie nicht nur nicht ordentlich funktionieren, sie behindert im schlechtesten Fall alles.

Vertrauen ist nicht gut, Kontrolle ist alles

Es gibt Menschen, die jeglichen Vertrauensvorschuss verspielen und sich nicht an die einfachsten Grundsätze halten möchten. Keine Frage. Das ist aber nicht die Regel. Dass viele Chefs dennoch von Anfang an auf absolute Kontrolle bauen, bewirkt das genaue Gegenteil dessen, was sie damit erreichen möchten. Zwang und Kontrolle führen zu Frust und Wut. Denn natürlich wird sich der ein oder andere Angestellte irgendwann fragen, warum ihm kein Vertrauen entgegen gebracht wird, obwohl er sich immer korrekt verhalten und seine Arbeit gut gemacht hat. Ein sicherer Weg, um Mitarbeiter loszuwerden!
Ein fähiger Teamleiter gibt seinem Team Freiheit und lässt die Zügel locker – zumindest solange alles reibungslos funktioniert. Und wenn mal was nicht funktioniert, dann reagiert er nicht durch das Einführen von Kontrolle. Sondern mit einem Gespräch, in dem er nicht nur anmerkt, was nicht gut läuft, sondern auch nachfragt, woran es liegt.

Erfahrung geht über Fähigkeit

Ja, Berufserfahrung ist wichtig. Ja, wer mehr Erfahrung hat, kann auf vieles besser reagieren, weil er schon mehr erlebt und gelernt hat. Jedoch bedeutet das nicht, dass der Erfahrenere auch der Fähigere ist – wovon viele Vorgesetzte fälschlicherweise ausgehen. Auch jemand mit 30 Jahren Berufserfahrung ist nicht unfehlbar. Oft kann ein junger Kollege sogar die bessere Lösung anbieten, weil er noch  nicht betriebsblind ist und die Trends besser kennt. Stattdessen stellen schlechte Chefs ihre jungen Mitarbeiter zunächst für die Aufgaben ab, auf die Erfahrene keine Lust haben – telefonieren, kopieren, manchmal sogar Kaffee kochen. Passiert immer noch häufiger als man annehmen möchte. Was denken Sie, wozu das führt? Die jungen Mitarbeiter sitzen ihre Zeit ab und wechseln den Arbeitgeber so schnell wie möglich. So verliert man Talente. Kluge Chefs wissen das – und sorgen von Anfang an dafür, dass sich Nachwuchstalente wohl fühlen, in ihren Stärken gefördert und somit für das Unternehmen langfristig zum Gewinn werden.

Fehler sind unverzeihlich, außer der Chef macht sie selbst

Bei manchen Chefs läuft das so: Wenn etwas schief geht, ist das natürlich die Schuld der Angestellten. Und Fehler sind schlimm, Fehler dürfen nie passieren. Weshalb sie selbst natürlich auch keine machen – ihnen fällt immer ein Grund ein, warum es am Personal liegt.  Schon mal den Satz „diesen Schuh zieh ich mir nicht an“ gehört oder sogar gesagt? Sie sind in guter Gesellschaft, das macht es aber nicht besser.
Ein guter Chef reißt niemandem wegen eines Fehlers den Kopf ab oder bringt es bei jeder Gelegenheit wieder auf den Tisch, am besten noch mit Betonung der eigenen Großmütigkeit, den Fehler vergeben zu haben. Ebenso kann er zugeben, wenn er selbst etwas verbockt hat. Ein guter Chef hat es nicht nötig, den Mitarbeitern die Schuld für eigene Fehler in die Schuhe zu schieben.

Und falls Sie Teamleiter, Manager oder Chef sind und sich jetzt fragen, ob Ihre Angestellten Sie mögen: Hier sind ein paar totsichere Anzeichen, dass es nicht so ist:

  1. Wenn Sie in den Raum kommen, verstummen Gespräche
  2. Niemand kommt auf Sie zu, um über Probleme zu sprechen
  3. Ihre Mitarbeiter kündigen in Scharen
  4. Niemand bezieht Sie in Gespräche mit ein oder lacht über Ihre Scherze
  5. Ihre Mitarbeiter gehen Ihnen so weit wie möglich aus dem Weg

Arbeiten Sie derzeit in einem Unternehmen, in dem klassische Hierarchien gelebt werden (selbst wenn lautstark das Gegenteil behauptet wird) und möchten wechseln, haben aber Angst vor dem Schritt? Trauen Sie sich! Sie müssen sich nicht alles gefallen lassen oder hinter Ihren Möglichkeiten zurück bleiben. Viele Unternehmen sind bereits in der New Work Ära angekommen und können Ihnen weit mehr bieten, als nur einen sicheren Arbeitsplatz. Und falls Sie für den ersten Schritt noch einen Schubs benötigen, setzen Sie sich gern mit uns in Verbindung oder besuchen Sie uns hier: https://pnm-consulting.de/