Vor einem Vorstellungsgespräch ist jeder nervös. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es sich um die erste Stelle nach dem Studium handelt oder um eine Führungsposition mit zehn Jahren Berufserfahrung. Und ein bisschen gehört der Nervenkitzel ja auch dazu. Denn selbst wenn es nicht um den absoluten Traumjob geht, jede berufliche Station nimmt Einfluss auf unser Leben.

Sobald aus Nervenkitzel aber Angst wird, ist die Chance auf ein gutes Gespräch eigentlich schon im Vorfeld vertan. Nicht nur Personaler merken, wenn ihr Gegenüber nicht locker und somit meist auch nicht natürlich ist. Dafür braucht es lediglich ein bisschen Fingerspitzengefühl.

Auch ein Personaler ist nur ein Mensch

Dabei lässt sich die Angst ganz einfach überwinden: Denken Sie einfach daran, dass auch der Personaler oder die Personalerin nur ein Mensch ist! Auch die Mitarbeiter der HR-Abteilung oder der Recruiter waren irgendwann in deren Leben schon einmal in derselben Position. Sie kennen die Nervosität und wissen, dass kein Bewerbungsgespräch zu 100 Prozent perfekt sein kann. Und das erwartet auch niemand von Ihnen. Sie werden viel mehr Verständnis bekommen, als Sie vielleicht glauben.

Doch eines erwartet jeder HR-Manager von Ihnen: Gute Vorbereitung. Gehen Sie nicht in ein Vorstellungsgespräch, wenn Sie die typischen Fragen nicht beantworten können. Ein guter Personaler wird Sie nicht nach Stärken und Schwächen fragen. Nur wissen Sie im Vorfeld nicht, ob Sie es mit einem guten Personaler zu tun haben. Seien Sie mit der Stellenausschreibung vertraut und wissen Sie die wichtigsten Eckdaten zum Unternehmen. Unwahrscheinlich, dass Sie nach Gründungsdatum und spezifischen Abteilungsgrößen gefragt werden. Aber was genau die Firma macht, bei der Sie gerade sitzen, sollten Sie schon wissen. Selbiges gilt für den oder die Namen des oder der Gesprächspartner. Und falls Sie jetzt denken, das ist doch wohl klar, das weiß doch jeder vor einem Vorstellungsgespräch: Sie würden nicht glauben, wie oft es nicht so ist!

Gemeinsamkeiten schaffen

Ansonsten gilt für Sie dasselbe wie für Ihr Gegenüber: Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl werden Sie schnell spüren, ob die Chemie stimmt. Lassen Sie sich auf Ihren Gesprächspartner ein und seien Sie offen für die Erfahrung. Das freut nicht nur den Personaler, sondern hilft auch Ihnen dabei, die Nervosität abzulegen.

Informieren Sie sich wenn möglich bereits vor dem Interview über den oder die Menschen, auf die Sie treffen. Oft lassen sich auf Firmenwebsites oder über Social Media ein paar Infos herausfinden. Machen Sie sich das zunutze: Der Recruiter mag Fußball? Fragen Sie ihn am Anfang des Gesprächs, ob er gestern das Spiel gesehen hat. Die HR-Managerin berichtet im Firmen-Blog vom letzten Urlaub in Schweden? Erzählen Sie, dass Ihnen der hohe Norden auch gefällt.
Warum das Ganze? Zum einen verbinden Gemeinsamkeiten – klar, oder? Zum anderen zeigen Sie so, dass Sie sich auf das Gespräch gut vorbereitet und sich die Internetauftritte der Firma angeschaut haben.

Vertrauen Sie Ihrer Intuition

Aber Vorsicht! Das kann zur Stolperfalle werden! Stalken Sie keine privaten Kanäle. Und falls Sie doch mal einen Blick aufs Facebook-Profil werfen (wie die meisten von uns), erwähnen Sie solche Infos bloß nicht im Gespräch. Das kann das Gegenteil von dem bewirken, was Sie damit erreichen möchten. Ebenso ist es nicht ratsam, Gemeinsamkeiten zu erfinden. Das kommt früher oder später ans Licht!

Und natürlich gibt es sie auch: Die Drachen unter den Personalern, denen es an Einfühlungsvermögen mangelt und bei denen fraglich ist, was sie in solch einer Branche verloren haben. Sie sind aber viel eher die Ausnahme als die Regel.
Was in diesem Fall hilft? Cool bleiben und daran denken: Auch die Personalabteilung kocht nur mit Wasser. Und wenn das Gespräch wirklich ein ungutes Gefühl hinterlässt? Fragen Sie sich ehrlich, ob Sie in einem Unternehmen arbeiten möchten, in dem Sie schon beim Vorstellungsgespräch nicht respektvoll und höflich behandelt wurden.