Home Office – ohne Vertrauen geht es nicht

Das Home Office hat sich inzwischen weitgehend etabliert. Klar – für Fleischereifachverkäuferinnen oder Schweißer in der Automobilbranche wird das Arbeiten vom Sofa aus eher zur Herausforderung. Aber in Zeiten immer weiter voranschreitender Digitalisierung sind viele Branchen längst über eine Anwesenheitspflicht im Betrieb hinausgewachsen.

Doch was für viele Arbeitnehmer praktisch ist und zum Beispiel das Leben zwischen Job und Familie erleichtern kann, ist für Arbeitgeber oftmals noch problematisch. Denn sie können nicht direkt überprüfen, ob ihr Mitarbeiter tatsächlich gewissenhaft seiner Arbeit nachgeht oder vielleicht doch im Pyjama auf der Couch herum lümmelt und einen Serienmarathon einlegt.

Home Office steigert die Produktivität

Hier gilt für Chefs vor allem eins: Vertrauen Sie! Hat Ihr Angestellter Sie schon mal im Stich gelassen oder liefert er die Ergebnisse, die Sie von ihm oder ihr erwarten? Dann gibt es keinen Grund, die Arbeit von zuhause nicht zuzulassen. Denn es ist schon längst erwiesen, dass Heimarbeit der Produktivität keinen Abbruch tut – im Gegenteil! Schon 2013 hat eine Studie des Amerikaners Nicholas Bloom ergeben, dass das Arbeiten von daheim die Produktivität um 13 Prozent steigert. Und oftmals arbeiten Angestellte insgesamt sogar länger. Denn sie machen weniger oder kürzere Pausen, müssen sich nicht mit unzähligen Störquellen herumschlagen und sitzen auch oft länger am heimischen Schreibtisch.

Dazu kommt, dass Mitarbeiter, denen Freiheiten gelassen werden, generell zufriedener mit ihrem Job sind. Sie werden also nicht nur freiwillig ihr Bestes geben, sondern ihrem Arbeitgeber auch länger die Treue halten. Vielleicht schaut Ihr Angestellter zwischendurch mal zwei Folgen seiner Lieblingsserie. Solang am Ende die Arbeit stimmt, sollten Sie sich deswegen keine Gedanken machen. Zwischendurch abschalten und den Kopf frei kriegen um danach wieder mit voller Kraft anzugreifen? Das wird das Endergebnis eher verbessern als verschlechtern.

Qualität geht über Quantität

Fragen Sie sich also: Warum fällt es Ihnen schwer, Ihren Mitarbeitern Freiheit und Flexibilität zu gewähren? Weil Sie ihnen nicht vertrauen können? Wenn das Ihr erster Gedanke war, dann liegen Ihre Probleme ganz woanders. Und fragen Sie sich außerdem, ob Ihre Prioritäten stimmen: Worauf kommt es an? Darauf, dass Ihre Angestellten acht Stunden lang stur auf den Bildschirm starren, komme was wolle? Oder darauf, dass die Leistung und das Endergebnis stimmen?

Sind Sie generell bereit, Ihren Angestellten Home Office zuzugestehen? Aber Sie sind unsicher, wie Sie Vereinbarungen treffen können, die für alle passen? Wir haben ein paar einfache aber effektive Tipps:

Besprechen Sie anstehende Aufgaben

Klar, es gibt bestimmte Tätigkeiten, die nicht von zuhause erledigt werden können. Es gibt aber ebenso genügend, bei denen das problemlos möglich ist. Besprechen Sie mit Ihrem Angestellten, welche Aufgaben er im Home Office angehen wird. Und besprechen Sie anschließend das Ergebnis.

Erarbeiten Sie individuelle aber klare Regeln

Die meisten Arbeitnehmer möchten nicht fünf Tage die Woche im Home Office arbeiten. Legen Sie fest, wie oft es generell möglich ist, ohne dass Abläufe im Team gestört werden. Wer längere Strecken pendelt, dem wird mit einem oder zwei Home Office-Tagen sicher geholfen sein. Wer hin und wieder lange Fachartikel schreiben muss, möchte vielleicht nur einmal im Monat von zuhause arbeiten, weil die Umgebung für bessere Konzentration sorgt. Nicht jeder ist gleich – berücksichtigen Sie das bei der Planung!

Binden Sie das Team ein

Gar nicht so unwichtig – ist es für das Team ok, wenn einer der Kollegen von zuhause arbeitet oder gibt es berechtigte Einwände? Klären Sie das gemeinsam vorher, so kann es gar nicht erst zu Ärger und Missverständnissen kommen. Gleichzeitig beweisen Sie so außerdem Empathie und zeigen Ihren Mitarbeitern, dass deren Meinung zählt. Win win!

Legen Sie Zeiten der Erreichbarkeit fest

Das Home Office bietet Angestellten größere zeitliche Flexibilität als typische Büroöffnungszeiten. Dennoch sollte für beide Seiten selbstverständlich sein, dass sie auch daheim während der üblichen Zeiten erreichbar sind.  Ausnahmen kann es natürlich in Sonderfällen hin und wieder geben.

Machen Sie sich mit den rechtlichen Aspekten vertraut

Zuhause gilt genau wie im Büro die Vertraulichkeitspflicht. Machen Sie Folgendes klar: Auch am heimischen Schreibtisch müssen Mitarbeiter sicherstellen, dass geschäftliche Dokumente nicht einsehbar sind. Wichtig auch: Der Beinbruch auf dem Weg vom Schreibtisch zum Kühlschrank gilt nicht als Arbeitsunfall. In diesem Fall greift die persönliche Versicherung.

Mit diesen Tipps können Sie Ihren Angestellten ruhigen Gewissens die Arbeit von zuhause genehmigen. Halten Sie sich vor Augen, dass Sie nur davon profitieren können, wenn Sie Ihren Mitarbeitern Freiheiten lassen!
Sie sind immer noch der Meinung, Home Office kommt für Ihren Betrieb nicht in Frage? Dann legen Sie sich Argumente zurecht, die Ihre Mitarbeiter nachvollziehen können.
Schnell mal etwas besprechen müssen zählt übrigens nicht dazu – das Telefon hat in diesem Jahr 157ten Geburtstag.